Niemand kann sagen, wo und wann genau die Menschen das erste Mal damit begannen, die in bestimmten Pflanzen enthaltenen Bitterstoffe systematisch zu Heilzwecken zu nutzen. Gut möglich, dass bereits die Jäger und Sammler der Vorzeit gezielt bitter schmeckende Gewächse suchten, um die Bekömmlichkeit ihrer nicht immer leicht verdaulichen Speisen zu fördern. Zahlreiche uralte Quellen wie der drei Jahrtausende alte "Rigveda" (einer der vier Hauptveden des indischen Ayurveda) sowie die verschiedenen Studien von Arzt Botanikern der Antike bis hin zu den legendären Kräuterbrüchern des 15. bis 17. Jahrhunderts belegen, dass Hochkulturen seit mehr als 3.500 Jahren auf die einzelnen bitterstoffhaltigen Kräuter ihrer heimischen Flora zurückgreifen.
Leider haben die bitteren Kräuter im vergangenen Jahrhundert ihre Rolle als Universalmittel eingebüßt. Während das Wissen um die heilenden Wirkungen von bitterstoffhaltigen Pflanzen Jahrhunderte lang zum Allgemeingut gehörte, wurden Verfahren entwickelt, um die für den bitteren Geschmack verantwortlichen Substanzen zu mildern oder systematisch wegzuzüchten. Keiner hat dabei ernsthaft darüber nachgedacht, wie wichtig Bitterstoffe für die Gesundheit sind.








